Von spreadsheets zu Storytelling: Wie Videoinhalte das B2B-Marketing verändern

Von LinkedIn bis YouTube: Business-Publikum konsumiert Videoinhalte mehr denn je – und trifft Entscheidungen schneller.

Juni 2025

Traditionell mit Influencern, digitalen Kreatoren und Konsumgütermarken verbunden, wurde Video von der B2B-Community lange gemieden, da es als „weniger effizientes“ Medium im Vergleich zu klassischen B2B-Kanälen galt. Bei genauerer Betrachtung jedoch zeigen die Daten ein anderes Bild: Unternehmen mit B2B-Fokus nähern sich dem Medium zunehmend an, erkennen dessen strategisches Potenzial und beginnen – wenn auch vorsichtig – es in ihre Kommunikations- und Marketingstrategien zu integrieren.

Im Kontext von B2B-Beziehungen wird die Wirkung von Video zunehmend greifbar und entwickelt sich zu einem der Kanäle mit dem höchsten Engagement. Auch die Formate verändern sich: Die Zeiten standardisierter virtueller Messen oder Webinare sind vorbei – heute ist Video ein zentrales Instrument, um auf die intuitivste und zeiteffizienteste Weise zu inspirieren, zu informieren und Mehrwert zu schaffen.

Dieser Trend folgt einem tiefgreifenden Wandel im Nutzerverhalten – vergleichbar mit der Entwicklung, als Fernseher Einzug in die Haushalte hielten. Nutzer verbringen heute immer mehr Zeit online, weshalb Unternehmen ihr digitales Ökosystem neu überdenken. Video ist inzwischen eines der wirkungsvollsten Instrumente, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen, die Markenbekanntheit zu steigern und die Positionierung im Markt zu stärken. Animierte Inhalte sind die Sprache des neuen digitalen Zeitalters: dynamisch, fesselnd und darauf ausgelegt, in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt maximale Wirkung zu erzielen.

Die digitale Landschaft hat sich verändert (und B2B passt sich an).

Der Prozess der Kundengewinnung im B2B-Bereich befindet sich im tiefgreifenden Wandel. Früher bedeutete es, die Aufmerksamkeit eines Entscheidungsträgers zu gewinnen, detaillierte technische Dokumentationen zu erstellen, Marktanalysen vorzulegen und eine lange Reihe von Meetings zu planen. Heute kann ein effektives 90-Sekunden-Video aus Kommunikationssicht eine wesentlich größere Wirkung erzielen und die Marke bereits beim ersten Kontakt auf einprägsame Weise positionieren.

Zeit ist wertvoller denn je geworden, da die Aufmerksamkeitsspanne des Durchschnittsmenschen – vom Endkunden bis zum Top-Manager – stark sinkt. Eine aktuelle Studie von Forbes und Google zeigt, dass 59 % der Führungskräfte ein Video lieber ansehen als einen Text lesen, selbst wenn beide Optionen verfügbar sind.

YouTube verändert sich ebenfalls: War die Plattform früher fast ausschließlich für Unterhaltung genutzt, wird sie heute zunehmend von professionellen Inhalten geprägt. Formate wie Unternehmensvideos, Fallstudien, Produktdemos und Tutorials erzielen hervorragende Ergebnisse und zeigen, dass sie in der Lage sind, spezialisierte Zielgruppen anzusprechen.

Auch LinkedIn hat eine erhebliche Entwicklung durchlaufen – von einer reinen Jobsuchplattform hin zu einem strategischen Hub für den B2B-Wissensaustausch. Auf LinkedIn veröffentlichte Videos erzielen Engagement-Raten von bis zu dem Dreifachen im Vergleich zu einfachen Textinhalten. Laut den Daten der Plattform ist die Performance von Unternehmensvideos sogar fünfmal höher als die anderer Formate und fungiert als Katalysator für Geschäftskontakte und Kaufentscheidungen.

Multigenerationale Videostrategien: eine Chance für B2B

Die Nutzung von Videos im B2B-Bereich ist Teil der natürlichen Entwicklung der Nutzungsgewohnheiten und zugleich ein generationsbedingtes Phänomen.
Millennials – also diejenigen, die zwischen 1981 und 1996 geboren wurden und heute die Mehrheit der Manager, Entscheidungsträger und häufig auch Unternehmer ausmachen – haben eine natürliche Neigung zu Videos entwickelt und nutzen diese als bevorzugtes Werkzeug zum Lernen und Problemlösen. Das Verhalten der Millennials zeigt, dass sie lieber schnelle, visuelle und leicht verdauliche Antworten erhalten, als ein Handbuch zu lesen. Daten bestätigen dies: 70 % der Millennials nutzen YouTube regelmäßig, um neue Fähigkeiten zu erwerben.

Die Attraktivität von Videoinhalten beschränkt sich nicht nur auf Millennials, sondern hat sich auch auf ältere Generationen ausgeweitet. Menschen der Generation X – der Begriff bezeichnet diejenigen, die zwischen 1965 und 1980 geboren wurden – sind zwar nicht digital-native, zeigen aber ein großes Interesse an Videoinhalten, insbesondere an klaren, gut erklärten und strukturierten Inhalten. Einer Google-Studie zufolge haben 65 % der Nutzer in dieser Kategorie nach dem Ansehen eines Informationsvideos über ein Produkt oder eine Dienstleistung einen Kauf getätigt.

Vielleicht überraschend zeigen Untersuchungen, dass auch die Babyboomer (1946–1964) eine strategische Rolle beim Konsum digitaler Inhalte spielen. Obwohl sie quantitativ nicht so stark online vertreten sind, stellen sie eine wichtige Zielgruppe für wertorientierte Content-Strategien dar, die informativ und tiefgehend sind. Qualität und Relevanz sind in diesem Fall die entscheidenden Elemente, um ihr Interesse zu wecken und Engagement zu erzeugen.

Letztlich zeigt sich bei allen diesen Generationen eine gemeinsame Eigenschaft: die emotionale Ansprache. Dies lässt sich vor allem damit erklären, dass Neugier, Wissensdurst und der Wunsch, mit einer zunehmend digitalen Welt Schritt zu halten, das menschliche Verhalten leiten. Video ist daher ein überlegenes Werkzeug, das komplexe Konzepte vereinfachen, Produkte und Dienstleistungen gekonnt präsentieren und gleichzeitig authentische emotionale Verbindungen herstellen kann.

Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, „Videos zu erstellen“, sondern qualitativ hochwertige Videos zu produzieren.

Im Jahr 2025 sollte die Frage nicht mehr lauten, ob Video als Kommunikationsmittel eingesetzt werden soll, sondern wie man dies effektiv tut. Was die Produktion betrifft, sind die technologischen Hürden, die noch vor einigen Jahren bestanden, kein Problem mehr: Heute kann man professionelle Inhalte mit einem Smartphone, kostenlosen Video-Editing-Tools und einem Minimum an Kreativität erstellen. Gerade weil Video mittlerweile extrem zugänglich ist, tritt jedoch ein neues Problem auf: die Überflutung mit Inhalten.

In a digital landscape saturated with visual stimuli, the real challenge as a business is knowing how to differentiate yourself. Technology is not enough: brand identity, narrative consistency, and a deep attention to time and the expectations of the audience are essential elements to consider.

Im B2B-Bereich kann dies erreicht werden, indem die klassischen Fehler der Vergangenheit vermieden werden: Videos, die zu lang, selbstreferenziell oder so technisch sind, dass sie eher für Luftfahrtingenieure gedacht scheinen. Das Publikum möchte Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung verstehen – ja – aber auch unterhalten, angesprochen und idealerweise inspiriert werden. Selbst in traditionellen Branchen – wie Logistik, Fertigung oder Industrieservices – gibt es authentische Geschichten zu erzählen, etwa durch Testimonials, Geschäftserfolge oder Einblicke hinter die Kulissen. Die Lösung liegt darin, den richtigen Blickwinkel zu finden, der die Botschaft humanisiert und für die Zuschauer relevant macht. Erfolgreiche Videoinhalte haben heute die Kraft, sowohl zu informieren als auch eine emotionale Verbindung zum Publikum herzustellen, den wahrgenommenen Wert der Marke zu steigern und solide, langfristige Geschäftsbeziehungen zu fördern.

Ein perfektes Beispiel für B2B-Videomarketing ist die berühmte Kampagne „The Epic Split“ von Volvo Trucks mit Jean-Claude Van Damme. Das Video, das die Stabilität und Manövrierfähigkeit von Volvo-Trucks dank eines komplexen technischen Elements – der dynamischen Lenkung – demonstrieren soll, macht das Produkt für ein breites Publikum verständlich und ansprechend. Das Video ging sofort viral und generierte über 100 Millionen Aufrufe, 6 Millionen Shares und mehr als 20.000 Artikel online. Die Kampagne brachte auch greifbare Ergebnisse von Juni 2012 bis Mai 2014, mit einem Anstieg der monatlichen Besuche auf der Website von 175.000 auf über 300.000 und einem deutlichen Wachstum der Social-Fanbase, von 16.000 auf 362.000 Follower auf Facebook, von 6.000 auf 19.000 auf Twitter und von 3.500 auf 92.000 auf YouTube. Darüber hinaus gaben 40 % der potenziellen Kunden an, dass sie nach dem Ansehen des Videos eher Volvo wählen würden.

New formats and trends: from ‘Live’ to artificial intelligence

In den letzten Jahren hat sich die Landschaft des Video-Marketings erheblich verändert, wobei neue Formate und Technologien Einzug gehalten haben. „Mobile-first“Inhalte gewinnen zunehmend an Bedeutung: Vertikale Videos, die früher ausschließlich mit Plattformen wie TikTok oder Instagram assoziiert wurden, sind inzwischen plattformübergreifend zum Standard geworden und tauchen sowohl auf YouTube (mit Shorts) als auch auf LinkedIn auf.

Live-Streaming wird zunehmend populär und ist besonders nützlich für digitale Events, Produktdemos und interaktive Webinare, da es Unmittelbarkeit, Authentizität und Echtzeit-Engagement bietet. Gleichzeitig ermöglicht der Einsatz von KI inzwischen, dass Nutzer personalisierte Videos in Echtzeit erstellen können, die auf spezifische Zielgruppensegmente zugeschnitten sind.

The result is increased accessibility and flexibility in video content creation and distribution. Today a product can be presented using a 30-second video on LinkedIn, alternatively a technical demo in live streaming on YouTube can be scheduled or launch a campaign consisting of dynamic clips based on the user’s industry can be shared. The options are endless.

Video hört damit auf, ein einzelnes Inhaltselement zu sein, und wird stattdessen zu einem modularen Ökosystem, das sich an jeden Touchpoint der Customer Journey anpasst und gezielt auf die Bedürfnisse eines zunehmend anspruchsvollen, informierten und mobil orientierten Publikums reagiert.

B2B-Video ist kein Trend, sondern eine strategische Notwendigkeit.

Es gibt noch ein letztes, entscheidendes Element zu berücksichtigen: Im B2B-Bereich ist Vertrauen alles. Kein Entscheidungsträger unterschreibt einen Vertrag oder wechselt einen Lieferanten aufgrund einer Werbeanzeige. Vor jeder Conversion muss zunächst eine solide Beziehung aufgebaut werden. In diesem Kontext sollte Video nicht als direktes Verkaufstool verstanden werden, sondern als Mittel, die Beziehung anzunähernund zu positionieren. Sein Wert liegt in der Fähigkeit, Transparenz, Empathie und Authentizität zu vermitteln – drei wesentliche Voraussetzungen, um Vertrauen aufzubauen.

Genau aus diesem Grund ist Video im B2B-Bereich äußerst wirkungsvoll: Es überbrückt Distanzen, humanisiert die Marke und macht die Botschaft gleichzeitig zugänglicher und einprägsamer. Es ist das ideale Format, um die Geschichte eines Unternehmens und seine Werte zu erzählen, technisches Know-how zu zeigen, authentische Geschichten zu teilen und eine Brücke zwischen dem Markt und den Menschen hinter einer Marke zu schlagen.

In der heutigen Wettbewerbslandschaft ist die Fähigkeit, durch Kommunikation wirklich zu begeistern, zu inspirieren und Mehrwert zu schaffen, unverzichtbar. Traditionelle Formate – wie Textbroschüren – reichen oft nicht aus, um eine echte Verbindung herzustellen. Video hingegen steigert die Qualität der Kommunikation, indem es Unternehmen ermöglicht, gehört, verstanden und in Erinnerung behalten zu werden. Es geht nicht nur darum, ein neues Format zu nutzen, sondern darum, effektiver zu kommunizieren – mit der richtigen Zielgruppe, zur richtigen Zeit und über die richtigen Kanäle. Der größte Vorteil? Videoinhalte sind dank neuer Technologien, flexibler Formate und Tools, die auch in begrenzte Budgets passen, heute leichter zugänglich denn je.

In einem Umfeld, in dem Beziehungen genauso wichtig – wenn nicht sogar wichtiger – sind als die Produktleistung, wird Video zu einem unverzichtbaren Asset für diejenigen, die Autorität aufbauen, Relevanz bewahren und Vertrauen schaffen wollen.